Zwei Hunde – doppelte Freude? – Mehrhundehaltung

Durch die Freude am Hund entwickelt sich häufig der Wunsch nach einem weiteren Vierbeiner. Die Anschaffung eines weiteren Hundes sollte gründlich überlegt und nicht aus dem Bauch heraus entschieden werden. Überlegungen wie beispielsweise „Ich gehe sowieso mit einem Hund raus, dann kann auch ein weiterer dabei sein“, greifen in der Realität nicht wirklich, und häufig stellen sich Situationen ein, mit denen Mensch im Vorwege überhaupt nicht gerechnet hat.

Anke Rottmann / Rottmann Photography

Auch wenn Euer Hund sehr gut mit anderen Hunden auskommt und augenscheinlich Freude an Sozialkontakten hat, bedeutet dies nicht unbedingt, dass er sich auch über einen zweiten Hund in Eurem Haushalt freut!

Wir möchten Euch hier ein paar Punkte zu diesem Thema mitgeben, die bedacht werden sollten und evtl. hilfreich bei der Entscheidung pro oder contra Zweithund sein können. Es gibt aber noch diverse andere Dinge, die Ihr in Eure Überlegungen einfließen lassen solltet, welche hier nicht abgedeckt sind.

Voraussetzungen

  1. Ersthund: Der bereits vorhandene Hund sollte wirklich gut erzogen sein, bevor ein weiterer dazukommt. Hier darf es keinerlei Schwierigkeiten mehr geben: er ist abrufbar, gut leinenführig und zeigt keine Aggressionsauffälligkeiten Mensch und Tier gegenüber. Euer Hund akzeptiert Euch als Respektsfigur und erkennt seine Position und Grenzen an.
  2. Finanzielle Sicherheit: Durch einen weiteren Hund entstehen manchmal mehr als nur doppelt so hohe Kosten. Hier sollte nicht zu knapp gerechnet werden (siehe Kosten).
  3. Platzfrage: Es ist keine riesige Wohnung erforderlich, allerdings sollten die Hunde jeweils einen Rückzugsort für sich haben, an dem sie zur Ruhe kommen können.
  4. Zeitfaktor: Gerade zu Beginn solltet Ihr den doppelten Zeitaufwand für Erziehung / Training / Bindungsaufbau nicht unterschätzen (siehe Erziehung). Also plant ggf. die doppelte Zeit für Gänge und Tierarztbesuche ein.

Erziehung

Anfangs solltet Ihr mit dem Neuzugang alleine trainieren, damit Ihr eine gute Bindung zueinander aufbauen könnt. Ansonsten würde der neue Hund sich hauptsächlich an seinem Artgenossen Hund orientieren, mit dem er natürlicherweise ja auch viel besser kommunizieren kann. Ihr braucht viel Zeit, damit er lernt, dass es Ihr seid, die die Dinge in der Gruppe regeln. Neue Dinge lernt der Zuwachs nicht von alleine oder durch Abgucken vom anderen Hund!

Kosten

  1. Tierarzt: Ein Hund kann schon hohe Kosten verursachen, deshalb empfiehlt sich bei mehreren Hunden häufig eine Krankenversicherung, welche viele Kosten übernimmt. Die Beiträge für die Versicherung sind fest kalkulierbar.
  2. Urlaub: Eine Unterkunft zu finden, in der 2 oder mehr Hunde erlaubt sind, ist manchmal gar nicht so einfach. Vielfach sind diese dann etwas teurer als Urlaub ohne oder mit einem Hund. Könnt Ihr die Hunde nicht mitnehmen und müsst sie in eine Hundepension geben, entstehen auch hier fast die doppelten Kosten.
  3. Auto: Ist Euer Auto tauglich für den Transport von 2 Hunden? Häufig stellt sich heraus, dass ein neues KFZ angeschafft werden muss.
  4. Futter: Auch hier kann evtl. durch Allergien spezielles Futter erforderlich werden und den Euch bis dato bekannten Betrag erhöhen.
  5. Training: Durch die neue Konstellation entstehen bisweilen unerwünschte Situationen, deren Lösung den Besuch eines Hundevereins oder einer Hundeschule erfordern.
  6. Hundeplatz, Ausstattung: Diese Kosten sind relativ klar im Vorwege zu klären.

Welche Konstellation?

  1. Geschlecht: 2 Hündinnen? 2 Rüden? Hündin und Rüde? …

Welche Kombination für Euch passen kann, muss individuell betrachtet werden. Allerdings sind eine intakte Hündin und ein intakter Rüde sehr stressbeladen, wenn Nachwuchs unerwünscht und räumliche Trennung nicht umzusetzen ist.

  • Alter: Der Altersunterschied zwischen den Hunden sollte nicht zu groß sein. Oft wird behauptet, dass ältere Hunde durch einen Welpen „aufblühen“ – meist sind es aber tatsächlich Stress und die Bemühungen des älteren Hundes, den Jungspund im Zaum zu halten und aufdringliches Verhalten abzuwehren, die ihn auf uns aktiv erscheinen lassen. 

Sind beide Hunde vom Alter näher beieinander, gestaltet sich der Alltag auch einfacher. Ihr könnt Spaziergänge und Unternehmungen meist mit beiden Hunden gemeinsam planen.

Probleme?

  1. Sorgt dafür, dass jeder Hund ausreichend Freiraum hat. Keiner wird auf Dauer eingeschränkt oder bedrängt, jeder hat Zugang zu Futter oder kann bei Bedarf zur Ruhe kommen.
  2. „Die klären das unter sich!“ – das funktioniert nicht so einfach, da Eure Gruppe nicht natürlich gewachsen ist. Ihr müsst in der Lage sein, Konflikte zu erkennen und möglichst souverän damit umzugehen. Deeskalierendes Verhalten muss von Euch bestärkt werden.
  3. Die Hunde stehen unter permanenten Stress, weil keine Entspannungsphasen möglich sind. Vielleicht wird einer der Hunde dauerhaft bedrängt, oder einer der Hunde hat Angst vor dem anderen Hund. Eventuell tritt die Situation ein, dass Ressourcen (Spielzeug, Futter, Kontakt zu Bezugspersonen, …) verteidigt werden deshalb eine angespannte Atmosphäre vorherrscht.

Bei allem ist wichtig, dass Ihr die Situation gut und fair einschätzen könnt, dass Ihr ggf. rechtzeitig eingreift und die Hunde sich darauf verlassen können, dass ihre Bedürfnisse stets von Euch respektiert werden.